Sonntag, 22. April 2012

Traumdeuter, Sternendeuter

Ich bekomme des öfteren ein Brett vor dem Kopf geschlagen. Verbal, meine ich. Und zwar immer dann, wenn ich frage, ob jemand einen Traum für mich zu deuten hat. Dann, ja dann - bekomme ich einen saftigen Brocken Traum vor den Latz geknallt mit den sanft begleitenden Worten:

Da, deut mal.

Ich seufze. So läuft es nicht, sage ich, und als Antwort bekomme ich: Ey, werd maln richtiger Traumdeuter!

Irgendwie lustig...



Wenn es nicht irgendwie traurig wäre. Ich taste meine Brust ab, und muss feststellen - ich bin kein vollautomatischer oneirologischer Konstellationschromatograph. Den man füttert, mit möglichst fleischigen Träumen, darauf hoffend eine doch durchaus köstliche Deutungssuppe zu erhalten. Gute Güte!

Leute, wacht auf aus eurer Symbole-sagen-alles-Traumwelt. Aber ich muss mich korrigieren, die bereits abgefertigten und aufrufbaren Deutungen von Symbolen bedeuten tatsächlich alles. Dadurch jedoch für den einzelnen nichts.

Das Beste jedoch: Selbst wenn ich den Sachverhalt erkläre, dass Deutung und Traum im Leben verankert ist, weht mir Enttäuschung entgegen. Enttäuschung darüber, dass der Apparat nicht tut wie er soll.

Ich bin mir nicht sicher ob das traurig oder lustig ist, auf jeden Fall jedoch bedenklich. Es deutet die Tiefe des industriellen Gedanken an - dass selbst Träume ein Massenprodukt sind, die mit der richtigen Schablone verstanden werden können.

Aber jeder weiß, dass Schablonen immer nur einen Teil ausschneiden und eine Menge vom Ursprünglichen einfach liegen lassen. Hah!

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