Freitag, 25. Mai 2012

Die Arten der Traumdeutung

Die verschiedenen Arten der Traumdeutung


(Quelle)
Der Traum, ist eine an und für sich  faszinierende Erscheinung des Lebens. Er erscheint wie eine zweite Realität, die der ersten etwas magisches und bewegtes hinzufügt. Man wacht nach einer bewegten Nacht auf, hat gegen Drachen gekämpft, die Jungfrau vor dem Bösen bewahrt. Man ist schläfrig und muss daran denken, während man sich die Krawatte zurückrückt, vor dem Spiegel, auf dem Weg zur Arbeit. Diese Brücke zu schlagen, zwichen alltäglicher, perfekter und vernünftiger Routine und dem Verrückten und Abgedrehten, das ist den Träumen vorbehalten. Sie zeigen uns - uns selbst und sorgen dafür, dass wir im Gleichgewicht bleiben, zwischen dem was wir wollen und dem was wir müssen. Zwischen Routine und Spontanität, zwischen Gewöhnlich und Außergewöhnlich-sein.

Der Umgang mit Träumen - und das Erforschen ihrer Bedeutung hat viele Facetten. Ich möchte gerne die aktuell vorhandenen Möglichkeiten der Traumdeutung differenzieren und klarstellen, was die Individual-Traumdeutung von den anderen derzeit prominenten Methoden der Traumdeutung differenziert.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, an Träume heranzugehen. Man kann sie emotional oder analytisch betrachten.

Kopf oder Bauch?

Die Emotionale Traumdeutung ist in gewisser Hinsicht beeindruckend. Es handelt sich hier vornehmlich um Personen die es im Gefühl haben, was dieser Traum, der besprochen wird, zu sagen hat. Diese Methode wird von Leuten ausgeführt, die sehr sensibel sind, und dadurch auch eine hohe emotionale Intelligenz besitzen. Es handelt sich hier also zumeist um Heiler, Schamanen und ähnliche Berufsgruppen, die anhand ihrer spirituellen oder emotionalen Befähigung die Träume erfühlen können.

Der Nachteil dieser Methode ist, dass sie den Träumer beeinflussen kann. Das, was der Deuter sagt, könnte dem Träumer somit gewissermaßen eingeflößt werden. Er kann damit Kontrolle und Einflussnahme erlangen, die ihm nicht zusteht. Das Hauptproblem dabei ist, dass keinerlei Kriterium dafür gibt, dass das, was der intuitive Traumdeuter sagt, auch stimmt. Im Altertum wurde die Authorität dieser befähigten Menschen gerne missbraucht, wenn es darum ging, die Träume der Mächtigen zu begreifen. Dies spricht gegen diese Form der Traumdeutung. 

Ich will damit nicht abstreiten, dass es funktioniert. Wenn der Träumer das Gefühl hat, dass das was der Deuter sagt stimmt - und dieser keine eigenen Interessen verfolgt - dann kann das so akzeptiert werden. Es wird sich hier lediglich nur auf das Gefühl konzentriert, ohne Beteiligung des Verstandes.

---

Die analytische Traumdeutung ist in unserem Kulturkreis verbreiteter, oder zumindest akzeptierter als obig genannte Methode. Hier werden Traumsymbole analystisch interpretiert. Das bedeutet, es werden bestimmte Symbole aus dem Traum entnommen und mit Bekanntem abgeglichen. Das bedeutet in der Praxis, dass Traumsymbollexika hinzugezogen werden, um dadurch den Traum aufzuschlüsseln. Dadurch kommt auch die Vielfalt der Bedeutungen zustande, die allesamt zu den unterschiedlichsten Abstrusitäten führen können. Entweder sind sie zu weit gefasst, in der Form eines gewöhnlichen Horoskopes ("Sie werden Glück erhalten"), oder zu eng ("Männer im Traum bedeuten sexuelle Gelüste"). Dadurch werden sie wertlos. Dazu habe ich bereits etwas geschrieben.

Der Nachteile dieser Methode ist ebenfalls, dass sie Einfluss auf den Träumer nimmt, ihn in eine bestimmte Richtung drängt, und die Eigenart der Träume auslässt, dass Zigarren auch einfach nur Zigarren sein können. 

Die Freudsche Traumdeutung hatte in der Praxis eben diesen Makel: Alles was lang war, war ein Hinweis auf einen Penis, alles in das irgendwie ein Penis passen konnte, war dementsprechend eine Vagina. Abgesehen davon, dass diese Deutungshaltung mehr über den Traumdeuter aussagt, als über den Traum selbst, ist es schlichtweg falsch, alles nach einem Schema zu deuten. Es lassen sich dadurch nur grobe Horoskopartige Richtungen angeben. Jedenfalls nichts das einen Wert für den Träumer hätte.


Fazit

Grundsätzlich gibt es zu beiden Methoden auch Abwandlungen, so können einige analytische Deuter zum Beispiel nach Traumsymbole in bestimmten Lexika deuten, was die Sache kaum verändert. Eine analytisch-interpretierende Deutung nach einem alten ägyptischen, arabischen oder Rumänischen Traumdeutungsbuch, oder nach einem bestimmten (esoterischen) Thema, sind ebenfalls bedeutungslos.

Vermischungen sind ebenfalls häufig, besonders wenn man die Traumdeutungsmethoden von (kommerziellen) esoterischen Traumdeutern betrachtet. Da werden Engelszungen heraufbeschworen, die den Traum für den Deuter entschlüsseln, und ähnliches. Ich will es dadurch nicht schlecht dastehen lassen, ich halte es schlichtweg für fragwürdig, da hier das Traumdeutung auch von Interessen gelenkt wird.

__________


Die Individual-Traumdeutung möchte eine Brücke schlagen zwischen der rein emotionalen Sicht auf den Traum und der rein analytischen-interpretierenden Sicht. Es ist beides notwendig um einen Traum zu begreifen, jedoch in bestimmtem Verhältnis und Reihenfolge. Deswegen ist der Begriff Traumdeuter für diese Form der Traumdeutung auch nicht ganz richtig, da Deuten etwas ist, das vage und ungenau ist. Traumdeuten klingt wie In-die-Kristall-Kugel-gucken. Das ist es nicht. Es ist logisch und wenn man es raushat auch sehr einfach.

Die Individual-Traumdeutung nimmt das Beste aus beiden Methoden. Sie betrachtet den Traum als eine Art von schriftlicher Mitteilung. Die Sätze sind die Szenen, die Symbole sind Wörter und die Handlungen sind die Grammatik. Die Bedeutung jeder einzelnen dieser Teile liegen jedoch im Träumer selbst verankert und müssen aus diesem heraus geholt werden, und zwar in einer Form, die keinen Einfluss nimmt und sich als helfende oder unterstützende Rolle empfindet. Es ist sozusagen die Geburtshilfe beim Erkennen des eigenen Traumes.

Nicht mehr und nicht weniger.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Falls Sie einen Traum gedeutet bekommen haben wollen, kontaktieren Sie mich bitte direkt.