Mittwoch, 9. Mai 2012

Traumsymbollexika, ein paar Versuche

Das Traumsymbollexikon und der Traum
Kann man Träume durch Traumsymbollexika selbstständig begreifen?


Da ist der Wurm drin: Zombiedeutungen. (Quelle)
Hier möchte ich ein Experiment wagen - ich habe noch nie versucht, einen Traum mittels Traumsymbollexika zu deuten, da ich dieses Vorgehen sinnlos finde. Ich denke, das kann aus 2 Gründen nicht funktionieren. Einerseits können die Bedeutungen der Traumsymbole zu spezifisch sein. Das ist der Fall, wenn sie von einem bestimmtem Traum entnommen wurden. Ein Beispiel wäre die Behauptung, jeder global im Traum auftauchende Hund im Traum bedeutet Trauer über Verlust, da das bei einem Traum eben so war. 


Andererseits können sie zu unspezifisch sein, wodurch sich praktisch keinen Nutzen im Sinne von wirklichem Begreifen ergibt.Diese Traumsymboldeutungen klingen wie Horoskope, z.B., bedeutet hier ein Hund "ein überkommen von schwierigen Zuständen und das kommen von goldenen Zeiten".

Außerdem ist es sehr schwer, sich selbst zu analysieren, und dadurch seinen eigenen Traum zu verstehen. Warum das so ist, werde ich in kommenden Artikeln beschreiben.

Dennoch werde ich jetzt ein Monster erschaffen. Eine Monstrosität, die aus verschiedensten Teilen zusammengesetzt ist die ich auf den Friedhöfen der Traumdeutung zusammengesammelt habe. (Siehe Bild) Kurz gesagt, ich deute einen Traum nach Traumdeutungslexika, ich erschaffe eine untote Deutung, eine Zombiedeutung - oder für die, die es weniger morbide mögen, ein Mashup.

Der diesmal verwendete Traum ist "Fliege in der Marone", er ist hier im Blog einsehbar. Weitere Mashups werden folgen, und es wird, man kann es annehmen, lustig werden.

Weiterlesen...



Der Traum war wie folgt:

Ich war auf einer Party und dort hat mir ein Mann eine Marone gegeben. Und öffnete sie und dann war in der Marone ein 'versteinertes' Insekt!

Damit reduziert sich der Traum auf: Party  Mann Marone Insekt

Versuch 1:

-Party
Wenn sich der Träumende in seinem Traum auf einer Party befindet, geschieht dies, um ihn auf seine sozialen Fähigkeiten oder auf ihr Fehlen aufmerksam zu machen.
-Mann
(Kein Eintrag, wird deswegen wörtlich genommen)
-Marone
Eine ungünstige Zeit für neue Vorhaben
-Insekt
man bekommt es mit einem lästigen Schwätzer zu tun;

Zusammengebastelt:

Du hast folgendes soziales Problem: Ein mann gibt dir eine ungünstige Zeit für ein neues Vorhaben, jedoch ist da auch ein lästiger Schwätzer.

Hm, das klingt nicht so schön. Soziales Problem? Nee, niemals. Jedoch kann man es sich nicht aussuchen, was sein Traum bedeutet. Man kann höchstens das Lexikon wechseln! Also los! Ran an eine eine andere Quelle!

Versuch 2:

-Party 
An einer teilnehmen ist ein günstiges Omen.
Selbst der Gastgeber sein ist ein sehr ungünstiges Zeichen, je besser der Verlauf der Party, desto schlechter das Omen.

-Mann:
Ein junger Mann kann auf Rastlosigkeit, Unruhe, Tatendrang oder ungezügelte Sexualität hinweisen, die nächste Zeit wird sehr unruhig und eine Strapaze für die Nerven.
-Marone:
Sie gelten als Symbol für vorübergehendes Leid, das sich aber bald in Glück und Freude verwandelt.
-Insekt
Kleine, unschädliche Insekten zeigen Erfolg und Gewinn.

Zusammengebastelt:

Unter einem günstigen Omen steht das Zeichen der ungezügelten Sexualität. Es gibt dir vorübergehendes Leid, das sich bald in Glück und Freude verwandelt, außerdem hast du gute Chance auf Erfolg und Gewinn.

Naa, das sind doch Aussichten. Klingt doch viel besser! Horoskope könnten nicht genauer sein als diese Deutung! 

Okey, so viel mal aus dem Land der Begrenzten Unmöglichkeiten der Traumdeutungslexika. Zurück in die Realität, die eigentliche Bedeutung ist:

Auf der Party gestern Abend hat mich jemand zum Bier eingeladen, ich mag eigentlich kein Bier, nahm es aber trotzdem an. Als er mich dann plötzlich (und gleich mit Zunge) küssen wollte, war das zugleich verwunder- und widerlich.


Fazit

Ich hätte gerne drei Mashups veröffenentlicht, jedoch war das nicht möglich. Es fiel mir auf, dass die Inhalte so gut wie aller Seiten zum Stichwort "Traumsymbollexikon" identisch waren. Jeder kann sich selbst ein Bild vom Ausmaß des Plagiats machen indem er die kursiv gedruckten Teile kopiert und in Google einfügt - und dann danach suchen lässt. Es stellt sich die Frage wer den Ursprungstext geschrieben hat - und auch, was die Kopierer damit erreichen wollen. Ist es reine Taktik um Besucher anzulocken? Das wäre ein Argument, denn einige Seiten erwirtschaften für die Betreiber einen kleinen Nebenverdienst durch Werbung.

Ich bin von meinem Experiment enttäuscht, da es zeigt, dass die Deutungen noch weniger wert sind, als ich anfangs angenommen hatte. Anstatt eine weite Bandbreite an Bedeutungen darzustellen, denen man sich eventuell für die Kreativität bedienen könnte, haben wir lediglich eine Unmenge von namenlosen Seiten die voneinander kopieren um Geld zu machen.

Sehr deprimierend ist es dann, wenn man nichts erwartet und noch weniger erhält. Dennoch war es sehr interessant, denn meine Erwartungen haben sich bestätigt. Die Deutungen aus den Lexikon könnten hinkommen, jedoch nur, da uns bereits die richtige Deutung bekannt ist. Aus keinem der Symbole lässt sich schließen, dass die Träumerin einen Tag vorher tatsächlich auf einer Party war, einen Typ traf und eine merkwürdige Begegnung hatte.


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